Pt. 30: Erst mal angewidert

Ganz eindeutig: Dumpfe, leise Schreie. Kurz, abrupt und immer wieder. Als ob man jemandem im Sekundentakt Elektroschocks geben würde. Die Brezl versucht die Schreie zu lokalisieren. Irgendwann ist sie vor dem Aquarium angelangt. Kann denn sowas sein? Schreiende Fische? Sie kann es nicht leugnen. Oder träumt sie? Die Fische schreien panisch herum. Sie wüsste zwar gerne warum, aber darum muss sich ihre Cousine kümmern. Die Brezl versucht sich irgendwie zwischen ein paar Polstern einzugraben, um das Geräusch abzustellen. Irgendwann schläft sie ein.

Am Morgen wird sie vom Klappern von Geschirr wach. Ihre Cousine hat ihr Frühstück zum Sofa gebracht. Die Brezl versucht wach zu werden und stellt erst mal angewidert fest, dass sie ziemlich gesabbert hat. Hoffentlich merkt es die Cousine nicht gleich. Bevor sie mit dem Frühstück anfängt, muss sie aber gleich klären, wieso die Fische in der Nacht schreien. Die Cousine kichert. Die Aquariumbeleuchtung schalte sich in der Nacht ab und ihre Fische haben Angst im Dunkeln. Dafür müsse sie noch eine Lösung finden, jetzt solle die Brezl aber erst mal frühstücken. Es gebe heute noch einiges zu unternehmen.

Veröffentlicht in: on 10.12.2010 at 09:01  Hinterlasse einen Kommentar  
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Pt. 29: Ein paar Scheine

Die Kellnerin keucht und fragt nach dem Resultat. Die Cousine schaut unbeeindruckt auf die Stoppuhr und nennt ihr die Zeit. Dann tauschen sie murmelnd ein paar Zahlen aus. Eigentlich wollte die Brezl verhindern, dass ihre Cousine die Rechnung übernimmt, aber als diese der Kellnerin ein paar Scheine überreicht, ist es eh schon zu spät. Sie will sich bedanken, aber wird von der Kellnerin unterbrochen, die laut verkündet, dass sie eine neue Bestzeit habe, woraufhin erneut Jubel ausbricht und eine Runde Pflaumenwein spendiert wird. Kaum hat sie ihren getrunken, wird die Brezl schlagartig müde.

Daheim angekommen, schleppt sie sich mühselig die Stockwerke nach oben. Ein Trost ist, dass auch ihre Cousine ein bisschen um Luft ringt, während sie, oben angekommen, die Tür aufsperrt. Die Brezl lässt sich kaputt auf das ausziehbare Sofa fallen und bekommt gar nicht mehr mit, wie ihre Cousine sagt, dass sie das nächste Mal doch den Lift nehmen sollten. Irgendwann in der Nacht jedoch wird sie von Geräuschen geweckt. Sie hört jemanden schreien. Die Brezl ist sofort hellwach.

Veröffentlicht in: on 09.12.2010 at 09:01  Hinterlasse einen Kommentar  
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Pt. 28: Zwischen den Tischen

Höchste Zeit zu zahlen. Die Cousine gibt der Kellnerin ein Zeichen, woraufhin diese mit einer Stoppuhr zum Tisch kommt. Die Brezl beobachtet gebannt, was da vorgeht. Ihre Cousine nimmt die Stoppuhr. Auf die Plätze, fertig und los schreit sie und startet die Stoppuhr. Die Kellnerin läuft wild zwischen den Tischen umher, während die übrigen Lokalgäste sie anfeuern. Die Cousine lehnt sich inzwischen entspannt zurück und legt die Stoppuhr auf den Tisch.

Der Brezl fällt wieder das Kuvert ein. Sie spricht ihre Cousine darauf an, und wie nett sie die Idee gefunden habe. Und der Kussabdruck sei ihr außerordentlich gut gelungen. Die Cousine versteht nicht ganz. Welches Kuvert? Die Brezl ist irritiert. Wenn das Kuvert nicht von ihr war, wer hat dann…? Doch da fängt ihre Cousine auch schon schallend an zu lachen. Das Kuvert sei schon von ihr, sie brauche keine Verschwörungstheorien aufzustellen. Aber von welchem Kussabdruck spreche sie? Sie besitze keinen Lippenstift.

Veröffentlicht in: on 08.12.2010 at 09:01  Hinterlasse einen Kommentar  
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Pt. 27: Zweite Nachspeise

Blöd gelaufen. Aus Erfahrung meinte die Brezl eigentlich zu wissen, dass die Portionen immer zu groß sind. Deshalb hat sie ihre Portion entsprechend reduzieren lassen. Jetzt hat sie aber eben ihre zweite Nachspeise verdrückt und trotzdem immer noch Hunger. Neidisch starrt sie ihre Cousine an, die sich über ihren Elefantenvogel hermacht. Ihre Tischhälfte sieht aus wie ein Schlachtfeld, aber sie wirkt so glücklich, während sie das Tier zerlegt und dabei aufpasst, dass es nicht doch noch zufällig wie eine Ente aussieht.

Die Brezl beschließt, die  Toilette aufzusuchen. Als sie aufsteht, sieht ihre Cousine sie an und fragt, wo sie denn hin wolle. Als die Brezl wissen will, wo die Toiletten seien, bekommt sie zu hören, dass es hier keine gäbe. Na super. Jetzt ist sie also umsonst aufgestanden und steht als einzige im Raum blöd an ihrem Tisch rum. Damit es nicht so peinlich wirkt, tut sie so, als wollte sie sich sowieso gerade strecken. Ihre Cousine kichert laut, wobei sie dabei einiges von ihrem Essen halb ausspuckt und sich zwischendurch einmal schlimm verschluckt. Jetzt gucken die Leute erst recht.

Veröffentlicht in: on 07.12.2010 at 09:01  Hinterlasse einen Kommentar  
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Pt. 26: Form eines Elefants

Die Kellner sieht in die Richtung, aus der das Geräusch kommt und legt den Notizblock auf den Tisch. Sie entschuldigt sich mit der Aussage, dass sie gleich zurück sei. Jetzt sieht die Brezl, dass die Kellnerin die Bestellung nicht aufgeschrieben hat, sondern aufgezeichnet. Sehr seltsam. Dafür bekommt sie jetzt eine ungefähre Vorstellung davon, wie ihre Portion aussehen wird. Schon beim ersten Blick wird klar: Viel zu groß! Gut, dass sie das nun weiß, sie wird die Kellnerin darauf ansprechen.

Als die Kellnerin zurück am Tisch ist, fragt die Brezl, ob eine kleinere Portion möglich wäre. Sie bekommt entgegnet, dass das überhaupt kein Problem sei. Im nächsten Moment zückt die Kellnerin einen Radiergummi und fetzt damit über den Block. Dann betrachtet sie ihr Werk, zeigt es aber doch sicherheitshalber der Brezl um zu erfragen, ob es so recht sei. Die Brezl ist zufrieden. Ihre Cousine bestellt anschließend gebratene Ente, fragt aber, ob sie die in Form eines Elefants haben könnte, weil sie eigentlich keine Vögel möge.

Veröffentlicht in: on 06.12.2010 at 09:01  Hinterlasse einen Kommentar  
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Pt. 25: Schläfer am Nebentisch

Immer wieder praktisch, wenn in eigentlich fremdsprachigen Restaurants die Karten immer in die eigene Sprache übersetzt werden. Bis jetzt hat die Brezl keinen Anlass zu meckern. Es ist gemütlich, nicht zu voll, nicht zu groß. Nun ja. Vielleicht ist es sogar etwas zu gemütlich, aber sie versucht, sich nicht über den schnarchenden, da eingeschlafenen Herren am Nebentisch aufzuregen. Sie studiert die Karte. Dann fällt ihr etwas auf. Sie fragt ihre Cousine, ob diese Gerichte portugiesische Spezialitäten seien. Die kichert so laut los, dass sich alle, außer dem Schläfer am Nebentisch, zu ihnen umdrehen. Dann bezeichnet sie sie als Dummerchen. Eigentlich sei es einheimische Küche. Aber das Personal sei aus Portugiesien oder Portugiesland oder wie das heiße und die Karte hätte alle Gerichte in die Sprache übersetzt. Das sei in der Stadt seit ein paar Jahren voll im Trend.

Beim Bestellen stellt die Brezl gleich fest, dass es an Authentizität mangelt, als sie versucht, Batatas Fritas zu bestellen. Die Kellnerin sieht sie verständnislos an. Eine peinliche Stille entsteht. Schließlich zeigt die Brezl verlegen auf die Stelle der Karte. Die Kellnerin scheint verstanden zu haben und sagt, dass die Brezl Pommes gemeint habe, achso. Dann fängt sie an auf ihren Block zu kritzeln. An sich nichts Ungewöhnliches, aber die Brezl hat das Gefühl, dass sie recht lange braucht, um die Bestellung zu notieren. Dann hört man ein lautes Klirren im Raum.

Veröffentlicht in: on 03.12.2010 at 09:01  Hinterlasse einen Kommentar  
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Pt. 24: Nichts anfangen

Es hat nicht nur Vorteile, wenn man kein eigenes Auto hat. Die Cousine begründet das mit dem hervorragend ausgebauten Nahverkehrsnetz und beginnt fast schon zu schwärmen. Die Brezl weiß aber, dass das mit ihrer Tätigkeit als Touristenführerin zusammenhängt und murrt ein bisschen, als sie zu verstehen bekommt, dass das Lokal nur ein ganz kleines Stückchen zu Fuß zu gehen sei. Es ist ungewöhnlich frisch für diese Jahreszeit. Obwohl die Brezl Schal und Hut anhat, ist ihr noch zu kalt. Ein paar hundert Meter entfernt sieht sie einen beleuchteten Schriftzug an einem auffälligen Gebäude. Das würde es wohl sein. Als sie näher kommen, stellt sie aber enttäuscht fest, dass es kein Restaurant, sondern ein Bestattungsunternehmen ist. Die Brezl muss an Leichenschmaus denken und kichert leise.

Eine Ecke weiter verkündet ihre Cousine freudestrahlend, dass sie fast da wären. Zwei Straßen weiter verkündet sie es noch einmal. Dann sind sie in einer Gegend angelangt, die der Brezl bekannt vorkommt, sie kann es aber nicht so recht zuordnen. Die Cousine jubelt, dass das das Restaurant sei. Die Brezl blickt erleichtert auf. Sieht von außen nicht so pompös aus wie das Bestattungsunternehmen, aber immerhin. Mit dem Namen kann die Brezl nichts anfangen: Abridor de lata. Ihre Cousine fügt gleich hinzu, dass das besonders ausgefallen sei. Es sei nämlich portugiesisch, auch wenn sie keine Ahnung habe, was es bedeute. Die beiden verschwinden hinein.

Veröffentlicht in: on 02.12.2010 at 09:01  Hinterlasse einen Kommentar  
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Pt. 23: Ohne Punkt und Komma

Die Brezl steht immer noch erwartungsvoll vor der geschlossenen Tür, hinter der man jemanden hastig herumlaufen und schreien hört, sie sei gleich da. Sie spürt noch die Blicke der anderen Hausbewohner hinter sich, die sich quasi alle irgendwo in Nischen und hinter Ecken verstecken, um das weitere Geschehen zu beobachten. Endlich hört sie, wie ein Schloss aufgesperrt wird, dann noch eines und noch eines. Die Tür öffnet sich. Noch bevor sie irgendwas zur Begrüßung sagen kann, umarmt die Cousine sie ganz stürmisch und zieht sie in die Wohnung hinein. Sobald die Tür ins Schloss fällt, vernimmt die Brezl dumpf laute Jubelschreie aus dem Treppenhaus und hofft, dass ihre Cousine das nicht mitbekommt.

Die Cousine mach sich daran, Kaffee aufzusetzen und quasselt ohne Punkt und Komma dabei. Die Brezl hört gar nicht richtig zu, sondern starrt fasziniert in das Aquarium ihrer Cousine, während die erzählt, dass sie in letzter Zeit ziemlich viel im Schlaf sabbert und das ganz eklig findet und sie ihr Bettzeug quasi auswringen muss, damit es nicht zur Schimmelbildung kommt. Die Brezl gibt nur abwesend zustimmende Laute von sich. Erst als die Cousine über sich selber kichert, weil sie ja gar keine Kaffeemaschine hat, schlägt sie vor, auswärts essen zu gehen.

Veröffentlicht in: on 01.12.2010 at 09:01  Hinterlasse einen Kommentar  
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Pt. 22: Schön etappenweise

Alle Achtung, ein schöner Altbau ist das, in dem ihre Cousine haust. Spätestens, als die Brezl im Treppenhaus angelangt ist, ändert sie aber ihre Meinung über Altbauten. 6 Stockwerke und kein Lift. Wann hat sie das letzte Mal so viel Sport betrieben? Sie überlegt, ob sie nicht einfach verweigern sollte, aber vermutlich würde sie ihre Cousine auch nicht rauftragen. Zum Glück hat sie nicht über die Gegensprechanlage mit ihr gesprochen. Das gibt ihr Gelegenheit, sich schön etappenweise mit Pausen in den sechsten Stock vorzuarbeiten.

Die Brezl keucht und kann nicht mehr. Nur dank der Motivation anderer Hausbewohner schafft sie es, sich immer wieder aufzuraffen. Sie wird angefeuert, ihr wird Wasser gegeben, einmal wurde sie auch fast vom Hausmeister angeknabbert. Er konnte aber schnell von den anderen Bewohnern unschädlich gemacht werden, in deren Ungunst er eh schon seit Längerem steht. Das sind die dramatischsten Szenen, die die Brezl jemals in einem Treppenhaus erleben musste. Schließlich, nach einer ihr endlos vorkommenden Zeitspanne, ist sie oben angelangt. Der Jubel kennt keine Grenzen. Die Brezl bedankt sich bei allen und verschnauft ein paar Minuten vor der Wohnungstür ihrer Cousine. Dann brezelt sie sich ein bisschen auf, tut als wäre nichts gewesen und klingelt.

Veröffentlicht in: on 30.11.2010 at 09:01  Hinterlasse einen Kommentar  
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Pt. 21: Totes Gleis

Grauenhaft. Der Thunfisch und das Brot schmecken wie ein nasser Waschlappen. Es würde die Brezl nicht wundern, stände genau das in der Zutatenliste. Sie sieht besser nicht nach. Aber Hunger ist bekanntlich der beste Koch, und die Wartezeit auf die Straßenbahn gilt es auch zu überbrücken. Als sie dann noch sieht, wie ein ebenfalls wartender Mensch neben ihr genüsslich in der Nase bohrt, vergeht ihr der Appetit aber vollends und sie wirft das Zeug in den Müllkübel. Die Straßenbahn ist da.

Ein komisches Gefühl ist das, in einer fremden Stadt mit der Straßenbahn zu fahren. Die Brezl versucht, sich nicht allzu viele Gedanken und Horrorszenarien auszumalen, von wegen sie könnte die Linie erwischt haben, die auf ein totes Gleis führt und explodiert. Lieber schaut sie aufmerksam aus dem Fenster. Für den Bruchteil einer Sekunde erregt ein Verkehrshütchen an einer Baustelle ihr Interesse. Ist das etwa…? Mist! Sie wird es nicht herausfinden können, da es mit dem Rücken zu ihr steht. Eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich aber nicht abstreiten. Eindeutig der selbe Typ. Andererseits verbindet sie nicht nur positive Erinnerungen mit diesem Gesellen, und eine Notbremsung würde ihre Sympathiewerte bei allen anderen Fahrgästen sofort in den Keller rasseln lassen. Nein, die Brezl bleibt brav sitzen und tut unauffällig.

Veröffentlicht in: on 29.11.2010 at 09:01  Hinterlasse einen Kommentar  
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